Taekwondo-Wettkampf – so liest du deinen Gegner vor dem Wiedersehen

In diesem Beitrag
Die Auslosung für die Landesmeisterschaft steht, und im Viertelfinale wartet vielleicht jemand, gegen den du bei einem Sparringstag mehrerer Vereine schon einmal gekämpft hast. Jetzt zählt, was du damals gesehen hast:
- ob er links oder rechts vorn stand
- wo auf der Matte er gekämpft hat
- wozu er das vordere Bein benutzt hat
- ob er angegriffen oder auf deinen Angriff gewartet hat
- womit er gegen dich gepunktet hat
- was in jeder Runde anders war
Ein Satz wie „Mit dem vorderen Bein lässt der keinen rein“ gibt dir dagegen weder eine Übung noch einen Plan.
In deiner Gewichtsklasse kommt es bei Landesmeisterschaften, Ranglistenturnieren und offenen Turnieren häufig zum Wiedersehen mit einem früheren Gegner. Beim Sparring im Verein stehen dir ohnehin jede Woche dieselben Partner gegenüber. Aus ein paar Stichworten zu solchen Beobachtungen werden am Ende zwei konkrete Anpassungen für den nächsten Kampf oder das nächste Sparring. Weshalb sich Notizen über Gegner grundsätzlich lohnen, erklärt ein eigener Beitrag über das Gegnerbuch.
Links oder rechts vorn – und wann wechselt er?
Als Erstes notierst du die Auslage. Kämpft er links vorn oder rechts vorn? Wenn er wechselt, halte fest, wann:
- bevor er angreift
- nachdem du gepunktet hast
- nah an der Grenzlinie
- erst gegen Ende einer Runde
Deine eigene Auslage schreibst du gleich daneben. Erst beide zusammen sagen dir, ob ihr in offener Kampfstellung (unterschiedliche Auslagen) oder in geschlossener steht. Notier auch, welche Tritte er in welcher Kampfstellung gebracht hat. Ob er immer so steht, weißt du nach einem einzigen Kampf allerdings nicht. Vielleicht beginnt er das nächste Mal rechts vorn, oder er wechselt öfter.
Wo auf der Matte will er kämpfen?
Dann die Distanz. Bleibt er lieber auf langer Distanz, oder sucht er die kurze? Wie kommt er rein, und wie geht er wieder raus? Hält er die Mitte der Kampffläche, oder kämpft er lieber vom Mattenrand aus?
An der Grenzlinie lohnt es sich besonders hinzusehen:
- Tritt er dort über die Linie?
- Weicht er an ihr entlang aus?
- Arbeitet er sich zurück zur Mitte?
Und umgekehrt: Versucht er, dich an die Linie zu drängen, und womit – mit Druck nach vorn, mit Tritten, mit Schieben?
Wozu benutzt er das vordere Bein?
Schau genau hin, was sein vorderes Bein macht. Stoppt er dich mit einem Cut-Kick, sobald du einen Schritt nach vorn machst? Oder punktet er damit selbst? Und was kommt danach: ein Tritt mit dem hinteren Bein, ein Schritt zurück, ein Auslagewechsel?
Mit „Cut-Kick bei jedem Schritt nach vorn, danach geht er zurück“ kann dein Trainer etwas anfangen. Mit „starkes vorderes Bein“ nicht.
Greift er an, oder wartet er auf dich?
Geht er als Erster in den Schlagabtausch, oder wartet er, bis du kommst? Wenn er kontert, dann wann?
- Schon während du das Knie hebst
- Im selben Moment wie dein Tritt
- Erst danach, zum Beispiel mit einem Rückwärtstritt
Notier auch, welche deiner Angriffe er gekontert hat und womit.
Womit hat er gegen dich gepunktet?
Notier zu jedem Punkt, den er tatsächlich gegen dich erzielt hat:
- Technik: Halbkreistritt, Rückwärtstritt, Drehkick oder Fauststoß
- Bein: das vordere oder das hintere
- Ziel: Weste oder Kopf
Schreib genauso auf, womit du selbst gepunktet hast.
Wann geht er zum Kopf, und was passiert auf kurzer Distanz?
Bei Kopftritten zählt, was unmittelbar davor passiert ist. Kam der Tritt nach einem Auslagewechsel, nach einem Cut-Kick oder aus kurzer Distanz? Und was hast du in diesem Moment gemacht – angegriffen, das Knie gehoben, die Deckung heruntergenommen?
Auf kurzer Distanz interessiert dich, womit er arbeitet:
- Fauststöße
- Kurze Tritte
- Schieben
- Festhalten
Und wie kommt er da wieder heraus? Mit einem schnellen Schritt zurück, oder wartet er, bis der Kampfleiter trennt?
Wer punktet in jeder Runde zuerst?
Notier für jede Runde, wer zuerst gepunktet hat und wie der Gegner in die Runde gestartet ist. Was hat er geändert, nachdem er eine Runde gewonnen oder verloren hatte? Was hat er in den letzten Sekunden gemacht, wenn er vorn lag, und was, wenn er zurücklag? Welche Gam-jeoms hat er bekommen, welche du, und wofür? Auch was dein Trainer in den Pausen gesagt hat, gehört dazu, soweit du dich daran erinnerst.
Beschreib dabei, was du gesehen hast, und nicht, wie er sich vermutlich gefühlt hat. „Tritt in der dritten Runde nur noch mit dem vorderen Bein“ lässt sich beim nächsten Mal überprüfen, „war am Ende“ nicht.
Das Ergebnis schreibst du so auf, wie es verkündet wurde, nach Runden (etwa 2:1) oder als Punktsieg, wenn die Punkte aller Runden zusammengezählt wurden. Punktwerte und Regelartikel lässt du weg; die ändern sich immer wieder, und für deine Notizen brauchst du sie nicht.
Und was hast du selbst gemacht?
Dich selbst nimmst du genauso unter die Lupe wie den Gegner:
- In welchen Momenten hat er gegen dich gepunktet?
- Welchen Fehler hast du wiederholt?
- Was hat geklappt, und sei es nur ein einziges Mal?
Genau diese Szene schreibst du am sorgfältigsten auf. Mit ihr hast du ein Gegenbeispiel, wenn sich nach einer Niederlage der Eindruck festsetzt, gegen diesen Gegner gehe gar nichts.
Was vier Studien über Wettkämpfe zeigen
Die folgenden vier Studien haben Kämpfe nur beobachtet. Sie zeigen Zusammenhänge, keine Ursachen.
Cristina Menescardi von der Universität Valencia hat mit Kollegen alle 151 Kämpfe des olympischen Taekwondo-Turniers von London 2012 auf Video ausgewertet; erschienen ist die Studie 2021 im Journal of Human Sport and Exercise. Rund 94 Prozent der Angriffsaktionen brachten keinen Punkt. Am stärksten mit Punkten verbunden waren Konter in dem Moment, in dem der Gegner noch das Knie für seinen eigenen Angriff hob; eingesetzt wurden sie aber selten. Grundlage ist ein einziges Spitzenturnier nach den Regeln von 2012, als die Punktrichter Kopftreffer noch ohne Sensoren werteten.
Eine frühere Arbeit von Menescardi und Kollegen, damals an der Katholischen Universität Valencia und der Universität Málaga, wertete 169 Kämpfe einer nationalen Hochschulmeisterschaft aus; sie erschien 2015 im Journal of Strength and Conditioning Research. Die Sieger griffen seltener an als die Unterlegenen und konterten häufiger, und zwar zu allen drei Zeitpunkten: noch während der Gegner ansetzte, gleichzeitig mit seinem Angriff und danach. Gekämpft wurde im älteren Format mit zusammengezählten Punkten. Dass Kontern zum Sieg führt, zeigt die Studie nicht, denn wer vorn liegt, kann auch einfach abwarten.
Minsoo Jeon von der Dankook-Universität und Hyosung Lim von der Anyang-Universität, beide in Korea, haben 272 Frauenkämpfe der Weltmeisterschaften 2022 in Guadalajara analysiert; die Studie erschien 2024 in BMC Sports Science, Medicine and Rehabilitation. Siegerinnen und Verliererinnen setzten etwa gleich viele Tritte ein, aber die Siegerinnen punkteten häufiger, zur Weste wie zum Kopf und im Angriff wie im Konter. Untersucht wurden nur Frauen bei einer einzigen Spitzenveranstaltung.
Yun Ho Kim von der Sangmyung-Universität in Seoul und Kollegen haben 382 Kämpfe der Weltmeisterschaften und Grand-Prix-Turniere 2023 untersucht und ihre Ergebnisse 2025 im International Journal of Sports Science & Coaching veröffentlicht. Mehr als 70 Prozent der Kämpfe waren nach zwei Runden entschieden; der erste Punkt hing bei Männern wie bei Frauen eng mit Rundensiegen zusammen. Erfasst sind Spitzenkämpfe eines einzigen Jahres, und wer stärker ist, punktet oft ohnehin zuerst.
Wie viel jemand tritt, sagt demnach wenig. Aus unserer Sicht zählt für deine Notizen mehr, womit dein Gegner gegen dich gepunktet hat und ob er die Schlagabtausche eröffnet oder auf deinen Angriff wartet. Und weil die meisten Kämpfe nach zwei Runden vorbei sind, gehört der Beginn jeder Runde zu den Zeilen, die du nicht auslassen solltest.
Vier Muster und was du dagegen testen kannst
Manche Gewohnheiten tauchen in Notizen über ganz verschiedene Gegner auf. Für vier davon findest du hier taktische Ideen, die du mit deinem Trainer an den Pratzen und im Sparring unter Aufsicht testen kannst. Sie sind keine Anleitung und stammen nicht aus den Studien. Ob eine davon gegen deinen Gegner funktioniert, zeigt erst der Test.
Er stoppt dich mit dem vorderen Bein. Sobald du einen Schritt nach vorn machst, kommt sein Cut-Kick auf deine Weste. Zum Testen: Lock den Cut-Kick mit einem halben Schritt oder einer Finte heraus und greif an, wenn sein Bein wieder runterkommt. Oder geh nah an ihn heran, bevor du trittst. Streich die Idee, wenn er statt des Cut-Kicks nur noch kontert oder wenn dich der Cut-Kick trotzdem stoppt.
Er wartet und kontert. Er eröffnet selten, und auf deine Angriffe antwortet er mit einem Rückwärtstritt, einem Drehkick oder einem Halbkreistritt. Zum Testen: Täusch zuerst einen Tritt nur an, um seinen Konter zu provozieren, und greif an, wenn der Konter ins Leere gegangen ist. Oder nimm statt des geraden Angriffs mit dem hinteren Bein schnellere Tritte mit dem vorderen. Streich die Idee, wenn er auf deine Finte nicht mehr reagiert oder sein Konter trotzdem trifft.
Er drängt dich an die Grenzlinie. Er kommt ständig nach vorn, verkürzt die Distanz, und du landest an der Linie. Zum Testen: Komm ihm zuvor, sobald er nach vorn geht – mit deinem vorderen Bein oder einem Konter. Oder weich ihm schräg zur Seite aus statt gerade nach hinten. Streich die Idee, wenn du trotzdem an der Linie landest oder dir dabei Gam-jeoms einhandelst.
Er geht nach Auslagewechsel oder Cut-Kick zum Kopf. Oft trifft er genau dann, wenn deine hintere Hand beim Knieheben runtergeht. Zum Testen: Nimm den Wechsel oder den Cut-Kick als Signal und halt deine hintere Hand oben, wenn du das Knie hebst. Oder greif genau in dem Moment an, in dem er die Auslage wechselt. Streich die Idee, wenn er plötzlich auf einem anderen Weg zum Kopf kommt oder du selbst kaum noch angreifst.
Nimm dir für den nächsten Kampf gegen denselben Gegner eine oder zwei dieser Ideen vor, und nur, wenn deine Notizen das passende Muster wirklich zeigen. Nach einem einzigen Kampf hast du eine Vermutung, noch kein Urteil über den Gegner. Wie zwei davon gegen eine Gegnerin aussehen, zeigt das erfundene Viertelfinale weiter unten.
Was die Studien nicht beantworten
Ob Notizen die Ergebnisse im Taekwondo verbessern, hat keine der vier Studien geprüft, und wie ein bestimmter Gegner kämpfen wird, kann keine von ihnen vorhersagen. Ob es überhaupt etwas bringt, über die eigenen Kämpfe nachzudenken, steht auf einem anderen Blatt; was Studien zur Reflexion im Sport zeigen und was nicht, fasst ein weiterer Beitrag zusammen.
Was nach dem Kampf auf die Seite kommt
Unsere Empfehlung lautet: Nach jedem Kampf gehören drei Dinge in die Notiz – was funktioniert hat, was nicht funktioniert hat und was du nächstes Mal ändern willst. Diese drei halten wir in jeder Kampf- oder Schlägersportart für die wichtigsten. Die Einzelheiten zu Kampf und Gegner kommen in die ersten beiden Felder; darauf bauen die drei anderen auf.
Kurze Stichworte reichen. Wichtig ist nur, dass du beim Wiederlesen erkennst, ob du oder der Gegner gemeint ist. Lücken darfst du lassen.
Kampf: Turnier mit Turnierrunde (etwa Viertelfinale) oder Sparring im Verein; Gegner und Gewichtsklasse; seine und deine Auslage; das verkündete Ergebnis; Quelle der Angaben.
Der Gegner: Auslage und Wechsel, bevorzugte Distanz, Mitte oder Rand, was an der Grenzlinie passiert; womit er eröffnet, wie er kontert, was gegen dich gepunktet hat (Technik, Bein, Weste oder Kopf), wie er zum Kopf kommt, was auf kurzer Distanz passiert; wer in jeder Runde zuerst gepunktet hat und was sich danach geändert hat; Gam-jeoms.
Was funktioniert hat: Womit ich gepunktet habe.
Was nicht funktioniert hat: Wo ich erwischt wurde, was ich wiederholt habe.
Nächstes Mal: Zwei Anpassungen – was ich anders mache und woran ich jeweils merke, dass ich es wieder lassen sollte.
Eine Vorschrift ist die Zahl zwei nicht, in der Regel genügen aber ein oder zwei Anpassungen. Wer sich mehr vornimmt, geht mit einem zu komplizierten Plan auf die Kampffläche.
Hinter jede Beobachtung gehört die Quelle: Gedächtnis, Video oder Trainer. Zahlen und Prozentwerte schreibst du nur auf, wenn du wirklich gezählt hast; sonst genügt „mehrmals“. Was du zwei-, dreimal gesehen hast, behandelst du als Vermutung, die der nächste Kampf bestätigen oder widerlegen kann, und Gegenbeispiele bleiben stehen.
Gibt es eine Aufnahme, vergleich deine Erinnerung damit. An anderer Stelle haben wir zusammengefasst, was die Gedächtnisforschung darüber weiß, wie schnell Sportler Einzelheiten aus dem Wettkampf vergessen. Die Forschung nennt aber keinen festen Zeitpunkt, bis zu dem alles notiert sein muss.
Markierst du auf einer Papierskizze der Kampffläche oder mit einem Pin in der App einen Ort, schreib dazu, was dort passiert ist. Eine Markierung ohne Text sagt dir beim nächsten Lesen nichts mehr.
Ein erfundenes Viertelfinale
Alles daran ist ausgedacht. Wiebke und Tilda gibt es nicht, den Kampf hat es nie gegeben, und mit Nutzerdaten oder den Studien oben hat diese Seite nichts zu tun. Sie dient nur dazu, die fünf Felder an einem Fall durchzuspielen.
Kampf: Viertelfinale der Landesmeisterschaft gegen Wiebke, Best of Three. Einmal bei einem Sparringstag mit anderen Vereinen gegen sie gekämpft. Sie links vorn, ich rechts vorn, also offene Kampfstellung. Quellen: mein Gedächtnis, die Pausenansprachen meines Trainers und Tildas Handyclip von der zweiten und dritten Runde. Keine Tritte gezählt. Ergebnis: 2:1 nach Runden für Wiebke.
Die Gegnerin: Hält mich mit Cut-Kicks auf Distanz. Wenn ich sie an die Grenzlinie dränge, tritt sie nicht raus. Sie weicht an der Linie entlang aus und kommt so zurück zur Mitte (Runde drei). Runde eins, an sie: Jedes Mal, wenn ich nach vorn gegangen bin, kam ihr Cut-Kick mit dem vorderen Bein auf meine Weste. Als ich direkt mit dem hinteren Bein angegriffen habe (Halbkreistritt), hat sie mit einem Rückwärtstritt gekontert und gepunktet. Runde drei, an sie: Sie hat zuerst gepunktet, mit einem Kopftreffer nach einem Auslagewechsel. In dem Moment habe ich beim Knieheben die hintere Hand runtergenommen. Danach hat sie mich wieder mit Cut-Kicks auf Distanz gehalten.
Was funktioniert hat: Runde zwei, an mich: Erst nah ran, dann treten. Auf kurzer Distanz habe ich mit Fauststößen und einem kurzen Tritt zur Weste gepunktet. Ihr Cut-Kick hat mich dabei nicht gestoppt. Unantastbar ist sie also nicht.
Was nicht funktioniert hat: Immer wieder direkt mit dem hinteren Bein angegriffen und dabei in ihren Rückwärtstritt gelaufen. Beim Knieheben nehme ich die hintere Hand runter.
Nächstes Mal: (A) Mit einem halben Schritt ihren Cut-Kick herauslocken und angreifen, wenn ihr Bein wieder runterkommt, statt direkt reinzugehen. Streichen, wenn sie keine Cut-Kicks mehr macht und nur noch auf den Konter mit dem Rückwärtstritt wartet, oder wenn ihr Rückwärtstritt auch dann trifft, wenn ich nach ihrem Cut-Kick angreife.
(B) In jeder Runde früh auf kurze Distanz gehen, wie in Runde zwei. Streichen, wenn sie an der Grenzlinie entlang ausweicht, bevor ich nah dran bin, oder wenn mich die kurze Distanz Gam-jeoms fürs Schieben oder Festhalten kostet.
Bevor du wieder auf Wiebke triffst, gehst du die beiden Anpassungen mit deinem Trainer durch. Ausprobieren kannst du sie an den Pratzen und im Sparring unter Aufsicht deines Trainers. Im Sparring macht eine Partnerin Wiebkes Cut-Kick nach und kontert wie Wiebke mit dem Rückwärtstritt. Dazu kommt die Arbeit an der hinteren Hand, die beim Knieheben oben bleiben soll.
Danach trägst du ein, was davon funktioniert hat. Aus drei, vier Szenen, die dir im Gedächtnis geblieben sind, lässt sich keine Wahrscheinlichkeit ablesen. Sie zeigen dir, was du nachprüfen solltest.
Vor dem nächsten Aufeinandertreffen
Schon die ersten Schlagabtausche zeigen dir, ob der Gegner noch so kämpft wie beim letzten Mal. Einen neuen Plan brauchst du, wenn er jetzt mit dem anderen Bein vorn steht, in eine andere Gewichtsklasse gewechselt ist oder seinen Stil umgestellt hat. Dasselbe gilt, wenn du im Kampf etwas anderes machst, als du dir vorgenommen hattest. Sobald die Bedingung eintritt, die du für eine Anpassung notiert hast, streichst du sie.
Mit deinem Trainer liest du die Seite, und ihr sucht euch heraus, woran ihr arbeiten wollt. Daraus wird eine Übung an den Pratzen oder eine Frage, die du ins Sparring mitnimmst, etwa ob du auf kurze Distanz kommst, ohne vorher in den Rückwärtstritt zu laufen.
Im Sparring mit Aufgabenstellung, das dein Trainer anleitet, kann ein Partner die Gewohnheit des Gegners nachstellen, um die es dir geht. Ob du damit gewinnst, kann dir niemand sagen. Du gehst aber mit einer konkreten Frage in den nächsten Kampf statt mit einem Gefühl.
In OpponentBook ist die Kampffläche für Taekwondo als Achteck abgebildet, und Pins kannst du überall darauf setzen. Jeden Pin ordnest du einem von vier Typen zu („Funktioniert“, „Funktioniert nicht“, „Gefährlich“ oder „Tendenz“) und schreibst eine Notiz dazu.
Im Gegnerprofil gibt es optionale Felder für den Stil (WT oder ITF), die Gewichtsklasse, Gürtel oder Grad, die Auslage („Links vorn“, „Rechts vorn“ oder „Wechselnde Auslage“) und die Punktetechniken des Gegners, vom Halbkreistritt über den Cut-Kick bis zu den Fauststößen; Stil-Tags wie „Kontert mit Tritten“ kannst du dazunehmen. Wer ITF kämpft, kann seine Seiten genauso anlegen. Freihandskizzen gibt es in der App nicht, nur Pins; wer zeichnen will, nimmt Papier. Das ganze Gegnerbuch ist kostenlos.
Dass du den Cut-Kick einer Gegnerin mit einem halben Schritt herauslocken willst, muss außer dir und deinem Trainer niemand wissen. Deine synchronisierten Einträge landen in dem Cloud-Speicher, den du selbst verbunden hast; die Kontodatenbank von OpponentBook enthält keine Kopie deines Buchs. Nutzt du eine KI-Funktion, schickt ein Server von OpponentBook die dafür nötigen Inhalte an den externen KI-Anbieter weiter. Mit der optionalen Ende-zu-Ende-Verschlüsselung kann auch der Speicheranbieter verschlüsselte Einträge nicht lesen. Für Fotos und Videos gilt dieser Schutz nicht, ebenso wenig für die Dateimetadaten, die der Speicheranbieter sehen kann. Mehr dazu steht im Beitrag darüber, wem deine taktischen Notizen zugänglich sind.
Für die erste Seite brauchst du keinen neuen Kampf. Denk an dein letztes Turnier oder das letzte Sparring und notier noch heute, womit dein Gegner gegen dich gepunktet hat und was er jedes Mal getan hat, wenn du einen Schritt nach vorn gemacht hast. Ergänze, was bei dir funktioniert hat und was nicht, und schreib die zwei Dinge dazu, die du im nächsten Kampf oder Sparring testest.


