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Taktik beim Ringen: Den Gegner analysieren, der dich besiegt hat

15 Min. Lesezeit
Taktik beim Ringen: Den Gegner analysieren, der dich besiegt hat
In diesem Beitrag

Manche Ringerinnen und Ringer verlieren eine ganze Saison lang auf dieselbe Art – sie werden vom gleichen Einbeinangriff erwischt, verlieren den Griffkampf um den Nacken oder lassen sich in der Bodenlage vom gleichen Durchdreher drehen. Mehr Stunden auf der Matte ändern daran nicht zwangsläufig etwas.

Wir halten es für einen der wirksamsten Wege zu besserer Taktik, jeden Kampf hinterher durchzugehen und aufzuschreiben, was du daraus mitnimmst. So entsteht ein Gegnerbuch, also ein Notizbuch, in dem jeder Gegner eine eigene Seite bekommt, ob auf Papier oder in einer App wie OpponentBook. Nach jedem Kampf gegen jemanden ergänzt du auf seiner Seite ein paar Notizen, und bevor ihr euch wieder gegenübersteht, liest du sie.

Im Mittelpunkt stehen drei Antworten: was funktioniert hat, was nicht und was du beim nächsten Mal tun willst. Damit sie auch nach Monaten noch Sinn ergeben, kommt ein Teil über den Gegner dazu – wie er steht, welche Griffe er sucht, womit er angreift und was er am Boden macht.

Dass du mehr als einmal auf denselben Gegner triffst, ist im Ringen nichts Ungewöhnliches. Das kann beim nächsten Turnier in deiner Gewichtsklasse passieren, bei der Landes- und später der Deutschen Meisterschaft, in der Liga beim Rückkampf eurer Mannschaften oder jede Woche im eigenen Verein. Steht die Paarung fest, hast du dann mehr in der Hand als die Erinnerung an eine knappe Niederlage. Was jetzt folgt, sind unsere Vorschläge, worauf du beim Gegner achten und was du aufschreiben kannst.

Welche drei Dinge gehören nach jedem Kampf auf die Seite?

Unsere Empfehlung: Halte nach jedem Kampf drei Dinge fest – was geklappt hat, was nicht und was du dir fürs nächste Mal vornimmst. Das gilt nach einem Sieg genauso wie nach einer Niederlage. Nach unserer Einschätzung sind das im Ringen die wichtigsten Notizen überhaupt, und in jeder anderen Kampf- oder Schlägersportart ist es nicht anders. Auch OpponentBook fragt im Formular für jeden Kampf genau das ab, unter „Was funktioniert hat“, „Was nicht funktioniert hat“ und „Nächstes Mal“.

  • Was funktioniert hat: alles, womit du gepunktet hast oder womit du dich aus einer gefährlichen Lage befreit hast, auch wenn es nur ein einziges Mal geklappt hat. Beispiel: „Wenn ich zuerst an seinen Handgelenken war, kam er nicht an meinen Nacken. Mit meinem Einbeinangriff auf sein vorderes Bein habe ich gepunktet.“
  • Was nicht funktioniert hat: vor allem, wie er gegen dich gepunktet hat – ob er dich zu Boden gebracht, gedreht oder von der Matte gedrängt hat. Beispiel: „Aus zu großer Entfernung nach seinem Nacken gegriffen, er ist darunter durch an mein Bein.“
  • Nächstes Mal: ein oder zwei Dinge, die du mitnimmst. Das kann eine Änderung sein oder etwas, das funktioniert hat und das du wiederholen willst. Beispiel: „Seine Handgelenke kontrollieren, bevor er die Hand im Nacken hat. Davon abrücken, wenn er nicht mehr um Griffe kämpft und gleich in die Beine geht.“

Wie viel du unter „Nächstes Mal“ schreibst, bleibt dir überlassen. Mit ein oder zwei Vorsätzen bist du meist gut bedient; eine lange Liste macht den Plan schon vor dem Kampf unübersichtlich.

Wie steht er, und welche Griffe sucht er?

Fang mit dem Stand an. Steht er parallel oder in Schrittstellung, und welche Seite hat er vorn? Hat sich das geändert, als er angegriffen hat, als er in Führung lag oder gegen Ende? Wenn es für das Duell eine Rolle spielt, notierst du auch, welche Seite du selbst vorn hattest. Ein einziger Kampf zeigt dir allerdings nur, wie er an diesem Tag gestanden hat.

Dann der Griffkampf. Halte fest, was er zuerst gesucht hat:

  • deine Handgelenke
  • deinen Nacken (Collar Tie)
  • einen Untergriff oder eine Armklammer
  • beidhändig einen deiner Arme, etwa für einen Armzug
  • im griechisch-römischen Stil auch Zwiegriff oder Brustklammer

Was kam, sobald er den Griff hatte? Manche Ringer reißen dich aus dem Nackengriff nach unten und gehen in die Kopfklammer von vorn. Andere bleiben im Griff und bereiten von dort ihren Angriff vor. Schreib auch auf, ob er deine Griffe gleich gelöst oder sie dir gelassen hat.

Zwei Ringer stehen sich vorgebeugt Kopf an Kopf gegenüber. Der Ringer im roten Trikot hat eine Hand im Nacken des Ringers in Blau, der ihn am Handgelenk festhält.
Hand im Nacken, Griff ans Handgelenk – notier, wer im Griffkampf zuerst zugepackt hat.

Seine Angriffe und woraus sie kommen

Halte fest, welche Angriffe er gezeigt hat. Im Freistil sind das meist Einbein- und Doppelbeinangriff, High Crotch oder Knöchelgriff. Im griechisch-römischen Stil achtest du auf Armzüge, Brustklammern und Würfe aus dem Oberkörpergriff. Notier zu jedem Angriff:

  • Vorbereitung: aus einem Runterreißer, nach einer Finte oder direkt aus der Distanz
  • Seite: auf dein vorderes oder dein hinteres Bein
  • Zeitpunkt: gleich zu Beginn, nach der Pause oder in der letzten Minute

Markier, welche Angriffe tatsächlich zu einer Wertung geführt haben. Wer zehnmal in die Beine geht und einmal durchkommt, ist ein anderes Problem als jemand, der zweimal angreift und zweimal punktet.

Was macht er aus deinen Angriffen?

Geh deine eigenen Angriffe durch. Wie hat er sie gestoppt – mit einem Sprawl, einer Armklammer, mit den Händen oder aus der Kopfklammer von vorn? Oder ist er einfach weggekreist? Noch wichtiger ist, was er aus deinen Angriffen gemacht hat. Ist er hinter dich gekommen, hat er gekontert und geworfen, oder hat er dich aus der Kopfklammer von vorn gedreht? Schreib deinen Angriff und seine Antwort nebeneinander.

Bei Scrambles notierst du, wer am Ende oben war und was der Gegner dabei gemacht hat.

Was passiert am Mattenrand?

Notier, wo auf der Matte gerungen wurde. Hat er dich rückwärts an den Rand geschoben, genau dort angegriffen oder ist er vom Rand weggekreist? Ist er danach jedes Mal in die Mitte zurückgegangen? Und wie hat er reagiert, als du ihn Richtung Rand gedrängt hast? Wertungen am Mattenrand können einen knappen Kampf entscheiden. Gib ihnen deshalb eine eigene Zeile, genauso wie den Passivitätspunkten.

Oben und unten: Womit dreht er dich am Boden?

Für die Bodenlage schreibst du auf, womit er dich als Obermann gedreht hat und wie schwer das zu verhindern war. Infrage kommen etwa der Durchdreher, im Freistil die Beinschraube und im griechisch-römischen Stil der Ausheber. Dann die andere Hälfte: Wie stabil war er als Untermann, und wie ist er wieder hochgekommen oder herausgekommen?

Wie kamen die Punkte zustande?

Geh jede Wertung durch, seine wie deine, und notier dazu:

  • wodurch gepunktet wurde: zu Boden gebracht, am Mattenrand, gedreht, geworfen oder als Strafpunkt
  • mit welcher Technik: etwa Einbeinangriff, Armzug oder Durchdreher
  • wo: im Stand oder am Boden

Das hilft dir später mehr als der Eindruck, wer aktiver gewirkt hat. Auch die Studien weiter unten zählen, womit gepunktet wurde.

Was hat sich im Lauf des Kampfs verändert?

Wer hat zuerst gepunktet? Was hat er geändert, als er vorn lag oder zurücklag, und was hat er in der letzten Minute gemacht? Halte fest, ob der Kampfrichter ihn oder dich wegen Passivität ermahnt oder bestraft hat. Wie das Verfahren genau abläuft, musst du dafür nicht aufschreiben. Hat dir dein Trainer in der Pause etwas mitgegeben, an das du dich erinnerst, schreib es dazu.

Das Ergebnis notierst du so, wie es verkündet wurde, zum Beispiel „mit 4:7 nach Punkten verloren“ oder „Schulterniederlage im zweiten Abschnitt“. Einen Punktzettel musst du hinterher nicht rekonstruieren.

Drei Studien von Welt- und Europameisterschaften

Alfonso Gutiérrez-Santiago von der Universidade de Vigo in Spanien hat mit Kollegen 127 Freistilkämpfe der Männer bei der WM 2019 ausgewertet, verteilt auf die Klassen bis 65, 86 und 125 kg. Für jeden Kampf wurde gemessen, wie lange im Stand und am Boden gerungen wurde und wie lange der Kampf ruhte, aufgeschlüsselt nach Kampfminuten. Die Arbeit erschien 2023 in PLOS ONE.

Rund drei von vier Kämpfen (je nach Gewichtsklasse 73,5 bis 80,6 Prozent) dauerten bis in die letzte Minute, die meisten gingen über die vollen sechs Minuten. Etwa 76 Prozent der Zeit wurde im Stand gerungen, 24 Prozent am Boden. Wer gepunktet oder gewonnen hat, haben die Autoren nicht erfasst. Grundlage ist eine einzige WM nach den Regeln von 2019, mit nur drei Gewichtsklassen im Männer-Freistil.

Georgiy Korobeynikov von der Nationalen Universität für Leibeserziehung und Sport der Ukraine in Kiew und Kollegen haben alle 703 Freistilkämpfe der WM 2023 in Belgrad untersucht, 394 bei den Männern und 309 bei den Frauen. Die Daten stammen von der Plattform des Weltverbands United World Wrestling, veröffentlicht wurde die Studie 2025 in Health, Sport, Rehabilitation. Bei Siegern wie Verlierern, Männern wie Frauen waren Beinangriffe die häufigste Wertungsaktion.

Die Sieger brachten ihre Gegner öfter zu Boden und drehten sie öfter, etwa mit Durchdreher oder Beinschraube. Im Schnitt kamen sie auf etwa sieben bis acht Punkte pro Kampf, die Verlierer auf weniger als zwei. Bei den Verlierern stammte ein größerer Teil der Wertungsaktionen vom Mattenrand, aus der Passivität und aus Kontern am Boden. Da Sieger per Definition mehr gepunktet haben, beschreibt das die Sieger, ohne ihre Siege zu erklären. Erfasst ist außerdem nur ein Spitzenturnier im Freistil.

Mujde Atici von der Kahramanmaraş-Sütçü-İmam-Universität in der Türkei untersuchte mit Kollegen von türkischen Universitäten und der Universität Dunărea de Jos in Galați (Rumänien) 54 Medaillenkämpfe der EM 2024 in Bukarest. Je 18 Kämpfe stammen aus dem griechisch-römischen Stil, dem Männer-Freistil und dem Frauenringen; erschienen ist die Arbeit 2025 in Applied Sciences.

Im griechisch-römischen Stil waren Brustklammer und Armzug die häufigsten Wertungen im Stand, der Durchdreher die häufigste am Boden. Im Männer-Freistil war der Einbeinangriff die häufigste Wertung im Stand; am Boden wurde am häufigsten gepunktet, indem jemand hinter den Gegner kam, oder mit der Beinschraube. Ein großer Teil der Wertungen ging auf Mattenrand und Passivität zurück – im Männer-Freistil war etwa jede fünfte Wertungsaktion ein Punkt, weil der Gegner die Matte verlassen hatte, im griechisch-römischen Stil waren 27,1 Prozent Passivitätspunkte. Ausgewertet wurden nur Medaillenkämpfe einer EM, mit kleinen Zahlen je Technik und ohne statistische Tests.

Alle drei Arbeiten haben Spitzenkämpfe von Erwachsenen beobachtet. Vereins- oder Jugendringen hat keine von ihnen untersucht, Ursachen können sie nicht belegen, und wie ein bestimmter Gegner ringen wird, sagt keine voraus. Ob Notizen beim Gewinnen helfen, hat ebenfalls niemand geprüft.

Für die Seite über einen Gegner ziehen wir daraus unsere eigenen Schlüsse. Weil die meisten Kämpfe über die volle Zeit gehen, gehört dazu, wie er nach der Pause und in der letzten Minute ringt. Der größte Teil der Seite wird vom Standkampf handeln, die Bodenlage bekommt ihre eigene Zeile. Und zu jeder Wertung notierst du die Technik und ob sie im Stand oder am Boden fiel, Mattenrand und Passivität jeweils extra.

Was kannst du gegen typische Muster mit deinem Trainer ausprobieren?

Vier Muster kommen im Ringen häufig vor. Zu jedem stehen hier ein paar Ideen für Technikdrills und freies Ringen mit deinem Trainer, außerdem ein Zeichen, bei dem du die Idee wieder fallen lässt. Mehr als Vorschläge zum Ausprobieren sind das nicht.

Er packt dich im Nacken und reißt dich runter. Er will früh die Hand in deinem Nacken haben und zieht dich daraus nach unten in die Kopfklammer von vorn (Runterreißer, Snap-down). Versuch, zuerst an seine Handgelenke zu kommen, bevor seine Hand im Nacken liegt, oder greif an, während er noch nach deinem Nacken langt. Lass die Idee fallen, wenn er gar nicht mehr nach dem Nacken greift und aus der Distanz in die Beine geht oder wenn der Runterreißer trotzdem kommt.

Er geht aus der Distanz in die Beine (Freistil). Er hält sich aus dem Griffkontakt heraus und geht mit einem Einbein- oder Doppelbeinangriff an deine Beine, sobald du nach ihm greifst oder einen Schritt machst. Versuch, mit den Händen vorn näher an ihn heranzukommen, statt mit langem Arm nach ihm zu greifen, damit er nicht darunter durchkommt. Verwirf das, wenn er plötzlich um Griffe kämpft oder sein Angriff trotzdem an deine Beine kommt.

Er gewinnt am Mattenrand. Er schiebt dich rückwärts und punktet, sobald du am Rand ankommst, oder sammelt Punkte, weil du die Matte verlässt. Versuch, schon vor dem Rand zur Mitte zurückzukreisen, und greif an, sobald er zu schieben beginnt. Gib die Idee auf, wenn er in der Mattenmitte punktet oder wenn du dich beim Kreisen für seinen Angriff öffnest.

Er dreht dich am Boden. Als Obermann dreht er dich mehr als einmal, meist mit dem Durchdreher, im Freistil auch mit der Beinschraube, im griechisch-römischen Stil mit dem Ausheber. Übe mit deinem Trainer, wie du verhinderst, dass sich die Hände des Gegners um deine Hüfte schließen, und wie du wieder in die Bankstellung oder auf die Füße kommst. Lass es, wenn er dich mit etwas anderem dreht oder wenn du im Stand Wertungen abgibst, weil du die Bodenlage um jeden Preis vermeiden willst.

Nimm für das nächste Duell ein oder zwei dieser Ideen mit, und zwar die, auf die deine Notizen wirklich hindeuten. Ein einzelner Kampf liefert dir einen Anhaltspunkt, mehr nicht.

So baust du die Seite über einen Gegner auf

Die ersten beiden Teile halten den Hintergrund fest, die letzten drei beantworten die Fragen, die wir empfehlen:

  1. Kampf: bei welchem Turnier und in welcher Runde, im Mannschaftskampf oder im Vereinstraining; Stil; Gewichtsklasse; das verkündete Ergebnis.
  2. Der Gegner: Stand und führende Seite; seine Griffe und was danach kam; seine Angriffe, Vorbereitungen und welche davon zu Wertungen geführt haben; Abwehr und Konter; Scrambles; Mattenrand; Ober- und Unterlage; wer zuerst gepunktet hat und was sich danach geändert hat; Passivität und Verwarnungen.
  3. Was funktioniert hat: deine Wertungen und jede Szene, in der du dich aus einer schlechten Lage befreit hast.
  4. Was nicht funktioniert hat: wie er gegen dich gepunktet hat und was du direkt davor gemacht hast.
  5. Nächstes Mal: was du ändern oder wiederholen willst, meist ein oder zwei Dinge, und wann du davon abrückst.

Was du vergessen hast, lässt du offen, statt es nachträglich zu erfinden. Hast du nicht mitgezählt, wie oft er etwas versucht hat, notier „mehrmals“ statt einer geschätzten Zahl. Setzt du einen Pin auf die Mattenzeichnung, braucht er ein paar Worte dazu, was an dieser Stelle passiert ist, sonst sagt er dir später nichts mehr.

Ein Ringer im blauen Trikot, einen grauen Kapuzenpulli über den Schultern, sitzt auf einer Holzbank am Mattenrand und schreibt mit einem Bleistift in ein kleines Notizbuch auf seinem Oberschenkel.
Was funktioniert hat, was nicht, was du nächstes Mal machst – drei Antworten nach jedem Kampf.

Wir raten dazu, die Seite zu schreiben, solange der Wettkampftag noch nicht vorbei ist. Das empfehlen wir aus eigener Überlegung; ein Forschungsergebnis steckt nicht dahinter. Ab wann Einzelheiten eines Kampfs verloren gehen, lässt sich mit der Gedächtnisforschung nicht festlegen, wie unser Beitrag über Erinnerungen an Wettkämpfe zeigt. Einen Grund zum Warten findet man dort aber auch nicht.

Beispiel: Viertelfinale der Landesmeisterschaft

Jendrik und dieser Kampf sind ausgedacht.

Kampf: Landesmeisterschaft, Viertelfinale gegen Jendrik, Freistil, meine Gewichtsklasse. Mit 4:7 nach Punkten verloren.

Der Gegner: Schrittstellung, rechts vorn. Ging sofort mit der Hand an meinen Nacken. Im ersten Abschnitt hat er mich aus dem Griff runtergerissen, ist in die Kopfklammer von vorn gegangen und hinter mich gekommen – Wertung für ihn. Am Boden hat er mich danach einmal mit dem Durchdreher gedreht. Als ich aus zu großer Entfernung nach seinem Nacken gegriffen habe, ist er mit einem Einbeinangriff an mein vorderes Bein gegangen. Als er in Führung lag, ist er Richtung Mattenrand ausgewichen, statt um Griffe zu kämpfen. Im zweiten Abschnitt wurde er wegen Passivität ermahnt.

Was funktioniert hat: Wenn ich zuerst an seinen Handgelenken war und seine Hände beschäftigt habe, kam er nicht an meinen Nacken. Aus dieser Kontrolle heraus hat mir mein Einbeinangriff im zweiten Abschnitt eine Wertung gebracht. Gegen ihn kann ich also punkten.

Was nicht funktioniert hat: Aus zu großer Entfernung nach dem Nacken gegriffen – er ist darunter durch an mein Bein. Im Griff zu aufrecht gestanden – er hat mich runtergerissen und in die Kopfklammer von vorn genommen. Unten den Durchdreher zugelassen.

Nächstes Mal: (1) Seine Handgelenke kontrollieren, bevor er die Hand im Nacken hat, dann der Einbeinangriff wie im zweiten Abschnitt. Davon abrücken, wenn er nicht mehr um Griffe kämpft und gleich in die Beine geht. (2) Unten die Ellbogen eng am Körper halten und ihn die Hände nicht um meine Hüfte schließen lassen, so wie mit dem Trainer geübt.

Auf der Seite stehen vor allem Abfolgen: erst der Griff aus zu großer Entfernung, dann sein Einbeinangriff; erst zu aufrecht im Griff, dann der Runterreißer; erst seine Hände um die Hüfte, dann der Durchdreher. Wie oft das wieder passiert, lässt sich aus ein paar Szenen eines einzigen Kampfs nicht ablesen. Es sind Hinweise, auf die du beim nächsten Mal achtest. Festgehalten ist aber auch, was geklappt hat – im zweiten Abschnitt hast du selbst mit dem Einbeinangriff gepunktet.

Bevor ihr wieder aufeinandertrefft – und danach

Vor dem nächsten Kampf gegen ihn liest du den Teil über den Gegner und die drei Antworten, am Abend vorher, in der Aufwärmhalle zwischen zwei Kämpfen oder zusammen mit deinem Trainer. Such dir ein oder zwei Dinge aus, auf die du dich konzentrierst. Bleibt bis dahin Zeit, übe sie mit deinem Trainer und einem Trainingspartner, etwa den Griffkampf um die Handgelenke gegen den Nackengriff und die Abwehr des Durchdrehers aus der Unterlage.

Schon in den ersten Aktionen merkst du, ob er noch so ringt wie beim letzten Mal, ob er also zum Beispiel immer noch sofort an deinen Nacken will. Vielleicht hat er sich seitdem etwas Neues angewöhnt, und vielleicht hast auch du dich verändert.

Nach dem Kampf schreibst du auf derselben Seite weiter. Hat der Plan funktioniert? Was hat dich überrascht? Ringt er inzwischen anders, schreibst du den Teil über ihn neu.

Hin und wieder lohnt es sich, quer durch dein Buch nur das Feld „Was nicht funktioniert hat“ zu lesen. Wirst du gegen ganz verschiedene Gegner aus dem Nackengriff runtergerissen, nimm genau diese Beispiele mit zu deinem Trainer. Daran könnt ihr im Training arbeiten. Eine Schwäche, die du für immer behältst, ist das nicht.

Was das Nachdenken über eigene Wettkämpfe nach dem Stand der Forschung leisten kann, fasst unser Beitrag über Reflexion im Sport zusammen. Dass gerade das Aufschreiben Sportler besser macht, zeigt keine der Studien darin.

Was die App fürs Ringen mitbringt

Im kostenlosen Gegnerbuch von OpponentBook hat das Profil eines Ringers Felder für den Stil (Folkstyle, Freistil oder griechisch-römisch, auch mehrere zugleich), die Gewichtsklasse, den Stand („Parallel“ oder „Schrittstellung“) und die führende Seite. Dazu kommen Stil-Tags wie „Beinangreifer“, „Kämpft intensiv um Griffe“, „Snap-down mit direktem Angriff“ oder „Stark in Scrambles“.

Zu jedem Kampf setzt du Pins auf eine Zeichnung der Matte und markierst jeden als „Funktioniert“, „Funktioniert nicht“, „Gefährlich“ oder „Tendenz“, jeweils mit einer Notiz. Unabhängig von den Pins kannst du Notizen zu Positionen wie „Griffkontakt (Tie-up)“, „Kopfklammer von vorn“, „Einbeinangriff“, „Oberlage / Parterre“ oder „Mattenrand / Zone“ schreiben. Im Formular für den Kampf stehen die drei Fragen.

Notizen über jemanden, gegen den du in der nächsten Saison wieder auf die Matte gehst, sind nichts für fremde Augen. Synchronisierte Einträge liegen in dem Speicher, den du selbst verbindest; in der Kontodatenbank von OpponentBook gibt es keine Kopie deines Buchs. Wenn du eine KI-Funktion startest, werden die dafür nötigen Inhalte über einen Server von OpponentBook an den externen KI-Anbieter weitergegeben. Die optionale Ende-zu-Ende-Verschlüsselung schützt verschlüsselte Einträge zusätzlich vor dem Speicheranbieter; Fotos, Videos und die für ihn sichtbaren Dateimetadaten sind davon ausgenommen. Was das im Alltag bedeutet, erklärt der Beitrag über Speicherort, KI und Verschlüsselung.

Leg dein kostenloses Gegnerbuch an.

Wer hat dich zuletzt besiegt? Leg heute Abend eine Seite für ihn an und beantworte die drei Fragen: was funktioniert hat, was nicht und was du beim nächsten Mal machst. Dann ergänz, wie er zu seinen Wertungen gekommen ist.

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