Taktik im Boxen – den Gegner lesen und den Rückkampf planen

In diesem Beitrag
Halbfinale der Landesmeisterschaft, und in der anderen Ecke steht jemand, gegen den du schon einmal geboxt hast. Was ist dir vom letzten Mal geblieben? Meistens ein Urteil – „Der war mir zu schnell“ oder „Gegen Rechtsausleger komme ich nicht klar“. Mit so einem Satz kannst du im Training nichts anfangen. Brauchbar ist, was du gesehen hast: wie er stand, was seine Führhand gemacht hat, wohin er gegangen ist, als du Druck gemacht hast, und was sich von Runde zu Runde verändert hat.
Im Vereinsboxen triffst du dieselben Gegner immer wieder, bei Vergleichskämpfen, Turnieren und Meisterschaften, und im Training hast du jede Woche dieselben Sparringspartner vor dir. Hier geht es der Reihe nach um Auslage, Deckung, Führhand und Distanz, um Schläge und Konter, um die Wege im Ring und um das, was sich über die Runden verändert. Im zweiten Teil wird aus ein paar Zeilen ein Plan für das nächste Aufeinandertreffen. Warum man überhaupt über seine Gegner Buch führen sollte, ist Thema eines eigenen Beitrags.
Rechtsausleger oder Linksausleger – wie steht ihr zueinander?
Ganz oben auf die Seite gehört die Auslage, Linksausleger oder Rechtsausleger (Southpaw, rechter Fuß vorn). Wechselt er im Kampf die Auslage, notier, wann das passiert ist – nachdem er getroffen wurde, an den Seilen oder erst in der letzten Runde.
Trag deine eigene Auslage daneben ein, denn es kommt darauf an, wie ihr zueinander steht – zwei Linksausleger oder zwei Rechtsausleger boxen in gleicher Auslage, ein Linksausleger gegen einen Rechtsausleger in unterschiedlichen Auslagen. Bei unterschiedlichen Auslagen stoßen die Führhände aneinander. Und beide Boxer wollen mit dem vorderen Fuß nach außen kommen, also außen neben den vorderen Fuß des anderen. Notier, wem das öfter gelungen ist und was danach passiert ist. Auf eine Auslage festlegen solltest du ihn nach einem einzigen Kampf aber nicht. Wer heute in Rechtsauslage vor dir stand, kann beim nächsten Mal anders stehen.
Dass die Auslage mehr ist als eine Randnotiz, darauf deutet eine große Datenbankauswertung hin. Thomas Richardson und R. Tucker Gilman von der Universität Manchester haben 2019 in Scientific Reports die Daten von mehr als 13.800 Profiboxern und MMA-Kämpfern ausgewertet; bei den Boxern diente die in der Datenbank BoxRec eingetragene Auslage als Hinweis auf die Händigkeit. Linkshänder waren unter den Kämpfern deutlich überrepräsentiert und im Durchschnitt erfolgreicher. Bei den Männern galt das sowohl für den Anteil gewonnener Kämpfe als auch für die Bewertung bei BoxRec, bei den Frauen nur für die Bewertung, nicht für den Anteil der Siege.
Untersucht wurden Profis, keine Amateure, und zwar anhand von Datenbankeinträgen, nicht in einem Experiment. Die Auslage stimmt nicht immer mit der Händigkeit überein, darauf weisen die Autoren selbst hin. Und ein Durchschnitt über Tausende Kämpfer sagt nichts über den einen Rechtsausleger, gegen den du im Halbfinale stehst, und erst recht nichts darüber, wie man gegen ihn boxt. Wir ziehen daraus nur einen bescheidenen Schluss – die Auslage des Gegners und jeder Wechsel stehen ganz oben auf der Seite, daneben deine eigene Bilanz gegen Rechts- und Linksausleger. Schwierig wird es ja nicht durch eine Auslage allein, sondern dadurch, wie eure beiden Auslagen aufeinandertreffen.
Wie deckt er sich, und wo geht die Deckung auf?
Dann die Deckung, so wie du sie gesehen hast: hohe Deckung, Philly Shell, Peekaboo, gekreuzte Arme oder tief hängende Hände. Wie wehrt er Schläge ab? Pariert er, blockt er, weicht er mit dem Oberkörper aus, taucht er ab, geht er zurück oder klammert er? Und wann öffnet sich die Deckung – nach dem eigenen Schlag, beim Zurückziehen der Hand, an den Seilen?
Eine Deckung beschreibst du am besten über den Moment, in dem sie aufgeht. „Schlaghand geht nach dem Jab runter“ ist eine Notiz, mit der sich trainieren lässt. „Schlechte Deckung“ ist keine.
Wo will er boxen, und was macht seine Führhand?
Als Nächstes die Distanz. Sucht er die lange Distanz, die Halbdistanz oder geht er ganz nah ran? Und wozu nutzt er die Führhand, den Jab? Punktet er damit, misst er die Distanz, täuscht er an, stört er nur, schlägt er sie doppelt? Geht er selbst nach vorn, oder wartet er auf den Konter?
Um die Geraden auf höchstem Niveau geht es in einer Studie zu Weltmeisterschaftskämpfen. Philip Davis von Combat Sports Performance in Essex (England) hat 2018 mit Kollegen im Journal of Strength and Conditioning Research 50 WM-Kämpfe mit 60 Boxern nach den Regeländerungen im Amateurboxen von 2013 auf Video ausgewertet. Die Sieger schlugen in der ersten Runde mehr Geraden, auch mehr Geraden mit der Führhand, brachten in der dritten Runde insgesamt mehr Treffer an und schlugen in der zweiten und dritten Runde seltener daneben. Nach Einschätzung der Autoren ist das Amateurboxen seit den Regeländerungen ein Boxen aus der langen Distanz geworden, mit Geraden, mehr Abwehr und mehr Bewegung im Ring. Vorher hätten Haken aus der kurzen Distanz das Bild bestimmt.
Beobachtet wurden Männer der Weltspitze bei einer einzigen Weltmeisterschaft, ohne Experiment, und die Deutung des taktischen Wandels stammt von den Autoren selbst. Die Regeln von damals müssen nicht die von heute sein, und für das Boxen im Verein ist die Studie erst recht keine Anleitung. Wir folgern daraus nur, dass die Distanz auf die Seite gehört. Dazu kommt, was er mit der Führhand macht, wie er die Gerade mit der Schlaghand einsetzt und ob seine Treffsicherheit oder seine Schlagzahl von Runde zu Runde nachlässt oder zunimmt.
Welche Schläge kommen, und was kommt zurück?
Welche Schläge und Kombinationen schlägt er am liebsten, eher zum Kopf oder zum Körper? Was macht er, nachdem er danebengeschlagen hat, und was, nachdem er getroffen wurde? Wie kontert er deine Führhand, wie deine Schlaghand? Und umgekehrt: Welche deiner Schläge sind durchgekommen?
Wer viel schlägt, gewinnt damit noch nicht – so jedenfalls bei einer nationalen Meisterschaft in Australien. Emily Dunn von der Edith Cowan University und dem Australian Institute of Sport hat 2017 mit Kollegen in PLOS ONE 26 männliche Eliteboxer bei den australischen Meisterschaften 2015 per Video ausgewertet, in den Gewichtsklassen bis 64, 69 und 75 kg; die Kämpfe gingen über drei Runden zu je drei Minuten und wurden nach dem 10-Punkte-Muss-System gewertet. Die Sieger brachten einen größeren Anteil ihrer Schläge ins Ziel als die Verlierer, 33 gegen 23 Prozent, und schlugen seltener ins Leere, 17 gegen 27 Prozent. Bei der Gesamtzahl der Schläge, bei der Abwehr und bei der Zeit im Schlagabtausch unterschieden sich Sieger und Verlierer dagegen kaum. Aus Treffsicherheit und Bewegungsstil zusammen ließ sich der Sieger bei 85 Prozent der Kämpfe richtig bestimmen.
Die Zahlen stammen aus einer Beobachtungsstudie mit 26 Männern einer einzigen Meisterschaft; sie beschreibt, wie in diesem Wertungssystem entschieden wurde. Eine Regel für jede Veranstaltung ist das nicht. Für deine Seite heißt das nach unserer Lesart – aufschreiben, was getroffen hat und was danebenging, nicht nur, wie fleißig jemand geschlagen hat.
Wohin geht er, wenn du Druck machst?
Macht er selbst Druck, oder bleibt er in Bewegung? Was tut er, wenn du ihn unter Druck setzt – geht er zurück, zur Seite, klammert er, kontert er aus der Rückwärtsbewegung? In welche Richtung zirkelt er? Wo kannst du ihn stellen, an den Seilen oder in einer Ecke, und auf welchem Weg kommt er dort wieder heraus? Wann klammert er, und was passiert, wenn der Ringrichter trennt?
Eine Richtungsangabe hilft nur, wenn klar ist, von wem aus sie gilt. Schreib „von mir aus gesehen nach links“ und bleib in allen Notizen bei dieser Blickrichtung.
Was sich von Runde zu Runde ändert
Drei Runden sind nicht dreimal derselbe Kampf. Notier für jede Runde, was anders war: Schlagzahl, Treffer, Deckung, Klammern, Bewegung. Und wenn du es noch weißt, was dein Trainer in den Rundenpausen gesagt hat.
In der australischen Studie verbrachten die Boxer in der zweiten Runde mehr Zeit im Clinch als in der ersten, nahmen die Deckung öfter herunter und federten seltener auf den Füßen. Die Autoren deuten das so, dass die Boxer sich ihre Kräfte einteilen; über den Ausgang der Kämpfe entschied es nicht. Schreib deshalb nicht „war platt“ oder „wollte nicht mehr“, sondern was du gesehen hast, etwa „nach Schlagabtauschen gehen die Hände runter“ oder „klammert, sobald ich nah dran bin“. Ob jemand müde ist, weißt du nicht. Dass seine Hände runtergingen, hast du gesehen.
Das Ergebnis trägst du so ein, wie es verkündet wurde, als Punktsieg (einstimmig oder geteilt) oder als Abbruch. Punktzettel rekonstruierst du nicht, und Paragrafen aus den Wettkampfbestimmungen schreibst du nicht ab. Regeln und Wertungsvorgaben ändern sich; was du im Ring gesehen hast, nicht.
Dein Anteil am Kampf
Mindestens so viel Platz wie der Gegner bekommst du selbst. Wo hat er dich erwischt? Was hast du immer wieder gemacht, obwohl es nicht funktioniert hat? Was ist durchgekommen, auch wenn es nur einmal war? Gerade dieses eine Mal gehört auf die Seite. Ein Gegenbeispiel zum ersten Eindruck verhindert, dass aus einer Niederlage die Geschichte vom unantastbaren Gegner wird.
Boxer auf regionaler Ebene – und was keine Studie geprüft hat
Nur eine der vier Studien schließt auch regionale Wettkämpfe ein, wie sie viele Vereinsboxer bestreiten: die Arbeit von Edward Thomson und Kevin Lamb von der Universität Chester, erschienen 2016 im International Journal of Performance Analysis in Sport. Sie haben die Kämpfe von 92 englischen Amateurboxern aus elf Gewichtsklassen auf regionaler und nationaler Ebene ausgewertet. Dabei passierte viel – im Schnitt etwa 25 Schläge und 10 Abwehraktionen pro Minute. Auf dem höheren Niveau gab es mehr Angriffs- und mehr Abwehraktionen, Siege gingen mit vielen Angriffs- und wenigen Abwehraktionen einher, und die Gewichtsklasse wirkte sich uneinheitlich aus.
Auch das ist eine Beobachtungsstudie mit englischen Amateuren; sie zeigt Zusammenhänge, keine Ursachen, und wie man gegen einen bestimmten Stil boxt, sagt sie nicht. Bemerkenswert ist eine Empfehlung der Autoren selbst: Künftige Forschung solle weitere Größen berücksichtigen, darunter die Qualität und den „Stil“ des Gegners. Was die Forschung also noch nicht misst, ist genau das, was du auf einer Gegnerseite aufschreibst.
Keine der vier Studien hat untersucht, ob Notizen im Boxen zu besseren Ergebnissen führen. Die fünf Felder unten und die Beschränkung auf zwei Tests sind unsere Arbeitsvorlage, kein geprüftes Verfahren; die Zahl zwei ist eine praktische Grenze, die wir gewählt haben, kein Forschungsergebnis. Ob das Nachdenken über den eigenen Kampf überhaupt etwas bringt, ist eine eigene Frage. Der Beitrag darüber, was Studien über Reflexion im Sport tatsächlich zeigen, trennt das Belegte vom Unbelegten.
Fünf Felder für eine Gegnerseite
Stichworte reichen, solange du beim nächsten Lesen noch weißt, wer was gemacht hat. Was du nicht weißt, bleibt leer.
Kampf: Veranstaltung und Turnierrunde (etwa Halbfinale) oder Sparring, Gegner, Gewichtsklasse, beide Auslagen, Ergebnis wie verkündet und woher die Angaben stammen.
Auslage, Deckung, Distanz: Auslage und Wechsel, Deckung, bevorzugte Distanz, was die Führhand macht.
Schläge und Ring: Lieblingsschläge und Kombinationen, Konter, Kopf oder Körper; wohin er unter Druck geht; Seile, Ecken, Klammern; was sich von Runde zu Runde geändert hat.
Mein Boxen: Wo er mich erwischt hat, was ich immer wieder gemacht habe, was durchgekommen ist.
Nächste Tests: Zwei Anpassungen, jede mit der Bedingung, unter der ich sie wieder fallen lasse.
Schreib zu jeder Beobachtung, woher sie kommt – aus dem Gedächtnis, vom Video oder vom Trainer. Hast du nicht gezählt, steht da „ein paarmal“ und keine Zahl, die du dir ausgedacht hast. Was du zweimal gesehen hast, ist eine Vermutung, die du im nächsten Kampf überprüfst, und ein Gegenbeispiel streichst du deshalb nicht, sondern schreibst es dazu. Hat jemand gefilmt, prüf deine Erinnerung an der Aufnahme. Wie schnell die Einzelheiten eines Kampfs verblassen, beschreibt ein eigener Beitrag über das Vergessen nach Wettkämpfen; eine feste Frist, bis zu der du geschrieben haben musst, folgt daraus nicht. Ein Kreuz auf einer Ringskizze oder ein Pin in der App braucht eine Beschriftung, die sagt, was dort passiert ist. Ein Punkt allein ist keine Notiz.
Ein erfundenes Beispiel aus dem Halbfinale
Dieser Eintrag ist ausgedacht. Jannis, Selin und den Kampf gibt es nicht, und die Seite stammt weder aus einem Nutzerkonto noch aus einer der genannten Studien. Sie zeigt nur, wie die fünf Felder ausgefüllt aussehen können.
Kampf: Landesmeisterschaft, Halbfinale, drei Runden, gegen Jannis. Einmal bei einem gemeinsamen Sparring unserer beiden Vereine mit ihm im Ring gestanden. Er Rechtsausleger, ich Linksausleger, also unterschiedliche Auslagen. Aus dem Gedächtnis, aus dem, was der Trainer in den Rundenpausen gesagt hat, und aus Selins Handyvideo von Runde zwei und drei. Nichts gezählt. Ergebnis laut Ringsprecher: Punktsieg für Jannis, geteilte Entscheidung.
Auslage, Deckung, Distanz: Schlägt die Führhand oft doppelt, um die Distanz zu messen. Bin ich auf gerader Linie reingegangen, hat er mich mit der linken Geraden getroffen.
Schläge und Ring: Wenn ich Druck mache, zirkelt er an den Seilen entlang nach links weg (von mir aus gesehen) und kommt jedes Mal auf dieser Seite raus. Dabei steht sein vorderer Fuß immer außen neben meinem. Runde drei: Er klammert, sobald ich nah dran bin, und nach Schlagabtauschen gehen seine Hände runter.
Mein Boxen: Bin ihm immer auf gerader Linie hinterher und dabei in seine linke Gerade gelaufen. Mein vorderer Fuß war innen, seiner außen. Meine Führhand zum Körper kam in Runde zwei zweimal durch – unantastbar war er also nicht.
Nächste Tests: (A) Nicht mehr hinterherlaufen. Stattdessen vor dem Schlagen einen Schritt nach links machen und ihm so den Weg an den Seilen abschneiden; dazu selbst mit dem vorderen Fuß nach außen kommen. Fallen lassen, wenn er anfängt, zur anderen Seite rauszugehen, oder wenn mich die linke Gerade beim Schritt weiter erwischt.
(B) Weiter mit der Führhand zum Körper arbeiten und zum Kopf nachschlagen, wenn nach einem Schlagabtausch seine Hände runtergehen. Fallen lassen, wenn seine Hände diesmal oben bleiben oder die linke Gerade weiter über meine Führhand kommt.
Mit diesen beiden Tests gehst du vor dem nächsten Aufeinandertreffen zu deinem Trainer. Geübt werden sie an den Pratzen und im Sparring unter Aufsicht; danach kommt auf die Seite, was davon funktioniert hat und was nicht. Ein paar Schlagabtausche, an die du dich erinnerst, sind Hinweise, die du überprüfst, keine Wahrscheinlichkeiten.
Vom Papier an die Pratzen
Ob das Muster noch stimmt, siehst du in der ersten Runde des nächsten Kampfs. Hat der Gegner die Auslage gewechselt, boxt er in einer anderen Gewichtsklasse oder boxt er insgesamt anders als beim letzten Mal, brauchst du einen neuen Plan. Das gilt auch, wenn du selbst die Anpassung anders umsetzt als geplant. Einen Test lässt du fallen, sobald die Bedingung eintritt, die du dafür notiert hast. Genau dafür steht sie auf der Seite.
Geh die Seite mit deinem Trainer durch und mach aus einem Muster eine einzige konkrete Frage für die Pratzen oder das Sparring, etwa: „Wie komme ich mit dem vorderen Fuß zuerst nach außen, wenn ein Rechtsausleger an den Seilen entlang wegzirkelt?“ Im bedingten Sparring, also mit Einschränkungen oder einer festen Aufgabe und unter Aufsicht des Trainers, kannst du einen Partner bitten, eine Gewohnheit des Gegners nachzustellen, zum Beispiel in Rechtsauslage zu boxen oder jedes Mal zur selben Seite rauszugehen. Leg nach ein paar Kämpfen die Seiten verschiedener Gegner nebeneinander. Läufst du gegen jeden Rechtsausleger in dieselbe linke Gerade, hat das weniger mit dem einzelnen Gegner zu tun als mit dir, und es ist konkret genug, um daran zu arbeiten. Dass du dadurch Kämpfe gewinnst, kann niemand versprechen. Dass du beim nächsten Mal weißt, worauf du achten willst, schon eher.
Für Boxen zeigt OpponentBook eine Zeichnung des Rings mit Seilen, roter und blauer Ecke und zwei neutralen Ecken. Darauf setzt du Pins an jede Stelle, an der etwas passiert ist; jeder Pin bekommt einen von vier Typen („Funktioniert“, „Funktioniert nicht“, „Gefährlich“ oder „Tendenz“) und eine Notiz. Eine Liste benannter Positionen, wie es sie etwa für Judo oder BJJ gibt, hat Boxen nicht. Im Gegnerprofil kannst du außerdem die Auslage eintragen („Linksauslage (orthodox)“, „Rechtsauslage (Southpaw)“ oder „Wechselnde Auslage“), dazu Deckung, bevorzugte Distanz („Lange Distanz“, „Halbdistanz“ oder „Nahdistanz“), Reichweite und Gewichtsklasse, alles optional. Zeichnen kannst du in der App nicht; eine Skizze auf Papier ist etwas anderes als ein Pin. Das Gegnerbuch selbst ist kostenlos.
Wer weiß, wohin ein Gegner unter Druck ausweicht, behält das lieber für sich. Synchronisierte Einträge liegen in dem Speicher, den du selbst verbindest; in der Kontodatenbank von OpponentBook gibt es keine Kopie deines Buchs. Startest du eine KI-Funktion, werden die dafür nötigen Inhalte über einen Server von OpponentBook an den KI-Anbieter weitergeleitet. Die optionale Ende-zu-Ende-Verschlüsselung schützt verschlüsselte Einträge zusätzlich vor dem Speicheranbieter; Fotos, Videos und die für ihn sichtbaren Dateimetadaten fallen nicht darunter. Ausführlicher steht das im Beitrag über Notizen als taktische Geheimnisse.
Dein letzter Kampf oder dein letztes Sparring reicht für den Anfang. Schreib heute Abend auf, was die Führhand deines Gegners gemacht hat und wohin er gegangen ist, als du Druck gemacht hast. Dann such dir zwei Dinge aus, die du beim nächsten Mal ausprobierst.


