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Fechten: Drei Fragen nach jedem Gefecht

6 Min. Lesezeit
Fechten: Drei Fragen nach jedem Gefecht
In diesem Beitrag

Viele Fechter machen jahrelang dieselben Fehler. Sie laufen ein ums andere Mal in den Gegenangriff oder bleiben hinten auf der Planche stehen und werden dort erwischt. Gegen einen bestimmten Gegnertyp fechten sie jedes Mal dasselbe Gefecht. Daran ändert mehr Training allein nicht unbedingt etwas.

Aus unserer Sicht verbesserst du deine Taktik und dein Fechten insgesamt am wirksamsten, wenn du über jedes Gefecht nachdenkst und aufschreibst, was du daraus gelernt hast. Dafür führst du ein Gegnerbuch – ein Notizbuch, ob auf Papier oder in einer App wie OpponentBook. Darin bekommt jeder Gegner eine eigene Seite, auf die du nach dem Gefecht ein paar Notizen schreibst. Bevor du wieder gegen ihn antrittst, liest du sie dir durch.

Im Kern sind diese Notizen die Antworten auf drei Fragen: Was hat funktioniert, was nicht und was nimmst du dir fürs nächste Mal vor? Dazu notierst du Turnier, Ergebnis und gerade so viel über den Gegner, dass du die drei Antworten auch Monate später noch verstehst.

Häufig stehst du demselben Gegner mehr als einmal gegenüber – erst in der Runde, dann noch einmal in der Direktausscheidung oder beim nächsten Turnier. Steht sein Name wieder auf einem Tableau, helfen dir ein paar klare Notizen mehr als die vage Erinnerung an ein Gefecht, das du irgendwie verloren hast.

Die drei Fragen

Wir empfehlen dir, diese drei Fragen nach jedem Gefecht zu beantworten, auch nach einem gewonnenen. Im Fechten wie in jeder Kampf- oder Schlägersportart gibt es unserer Meinung nach nichts Wichtigeres aufzuschreiben. Wenn du ein Gefecht in der App OpponentBook einträgst, findest du genau diese drei Fragen wieder: „Was funktioniert hat“, „Was nicht funktioniert hat“ und „Nächstes Mal“.

Was funktioniert hat. Hierher gehören Aktionen, mit denen du getroffen hast oder auf die nur eine schwache Antwort kam, auch wenn es nur ein einziges Mal geklappt hat. Zum Beispiel: „Mit kurzen Vorbereitungen habe ich ihren Gegenangriff herausgelockt; dann konnte ich ihre Klinge binden und angreifen.“

Was nicht funktioniert hat. Wie bist du getroffen worden? Dabei geht es um dein eigenes Fechten genauso wie um das des Gegners. Zum Beispiel: „Zweimal bin ich an meiner Warnlinie stehen geblieben, und beide Male hat sie mit einem geraden Angriff getroffen.“

Nächstes Mal. Hier notierst du ein oder zwei Dinge, an die du denken willst: etwas, das du ändern möchtest, oder etwas, das funktioniert hat und das du wiederholen willst. Zum Beispiel: „Die Distanz verkürzen, bevor ich angreife. Verwerfen, sobald sie in meine Schritte nach vorn hinein angreift.“

Eine feste Obergrenze gibt es nicht, meist reichen aber ein oder zwei Dinge. Nimmst du dir zu viel vor, wird es vor dem Gefecht schnell kompliziert.

Worauf du beim Gegner achtest

Schreib über den Gegner auf, was du gesehen hast. Ein paar Anhaltspunkte:

  • Hand und Griff: Links- oder Rechtshänder, französischer Griff oder Pistolengriff. Halte solche festen Angaben getrennt von Gewohnheiten, die sich ändern können.
  • Distanz: Welche Distanz bevorzugt er? Und welche bevorzugst du?
  • Wer das Gefecht bestimmt: Er, während du auf seine Fehler wartest oder in seinen Vorbereitungen nach Gelegenheiten suchst? Oder du, während er auf deine Fehler wartet?
  • Klinge: Sucht er deine Klinge, etwa mit Battuta, Bindung oder anderen Klingenaktionen, oder lässt er dich nicht an seine heran? Welche Paraden nimmt er am liebsten, und wie ripostiert er?
  • Trefferstand und Zeit: Was ändert sich, wenn er führt oder zurückliegt, kurz vor einer Pause oder in der letzten Minute eines knappen Gefechts?

Wo auf der Planche die Treffer fallen

Auf einer Zeichnung der Planche erkennst du, ob sich Treffer an bestimmten Stellen häufen, etwa an deiner Warnlinie, in der Mitte oder dort, wo dein Gegner bis ans Ende der Planche zurückgewichen ist. Schreib zu jeder Markierung, wessen Treffer es war, mit welcher Aktion und ungefähr wann. Warum sich die Treffer an einer Stelle sammeln, verrät die Häufung allein nicht. Das kann an der Distanz liegen, an der Müdigkeit, an seiner Taktik oder an etwas ganz anderem.

Halte außerdem fest, was er getan hat, als du ihn an seine Warnlinie gedrängt hast, und was, als er dich an deine eigene Warnlinie gedrängt hat.

Am besten noch am selben Tag

Schreib die drei Antworten auf, solange du noch weißt, wie die einzelnen Treffer zustande gekommen sind. Weißt du nicht mehr genau, wie oft etwas passiert ist, dann schreib lieber „mehrmals“, statt eine Zahl zu raten. Die Gedächtnisforschung spricht dafür, nicht zu lange zu warten. Wann genau die Einzelheiten eines Gefechts verblassen, kann sie aber nicht sagen.

So kann eine Seite aussehen

Gegnerin und Gefecht sind erfunden.

Name: Lena

Gefecht: Regionales Degenturnier, Direktausscheidung auf 15 Treffer, 11:15 verloren.

Die Gegnerin: Linkshänderin, französischer Griff. Im ersten Drittel geduldig – kleine Schritte, weite Distanz, wartet, bis ich angreife. Jedes Mal, wenn meine Vorbereitungen oder Schritte zu groß waren, kam ihr Gegenangriff auf den Arm. Wenn ich an meiner Warnlinie stehen geblieben bin, kam sie mit einem geraden Angriff. Im letzten Drittel, als sie vorn lag, ist sie zurückgegangen und hat mich kommen lassen.

Was funktioniert hat: Kurze Vorbereitungen haben ihren Gegenangriff früh herausgelockt; dann konnte ich ihre Klinge binden und angreifen. Die meisten meiner Treffer im zweiten Drittel kamen so zustande.

Was nicht funktioniert hat: Große Vorbereitungen und große Schritte – am Arm getroffen, bevor ich nah genug dran war. An der Warnlinie stehen geblieben, dort zweimal getroffen.

Nächstes Mal: (1) Keine großen Vorbereitungen und keine großen Schritte. Die Distanz verkürzen, bevor ich angreife. Verwerfen, sobald sie in meine Schritte nach vorn hinein angreift. (2) Nicht stehen bleiben, wenn sie mich zurückdrängt: An der Warnlinie in der richtigen Distanz weiter zurückgehen, nahe der Endlinie angreifen, bevor sie es tut.

Wichtig ist die Abfolge – erst kamen zu große Vorbereitungen und Schritte, dann ihr Gegenangriff auf den Arm; erst das Stehenbleiben an der Warnlinie, dann ihr gerader Angriff. Deshalb geht der Plan beides an.

Bevor ihr euch wieder gegenübersteht

Vor dem nächsten Gefecht gegen denselben Gegner liest du den Teil über ihn und die drei Antworten. Nimm dir für die ersten Aktionen ein oder zwei Dinge vor, etwa „erst die Distanz verkürzen, dann angreifen“. Bleibt bis dahin Zeit, übe sie mit deinem Trainer – in einer Lektion oder im Freigefecht gegen jemanden aus deinem Verein.

Ob die Notizen von damals noch zutreffen, merkst du in den ersten Aktionen. Dein Gegner kann sich inzwischen verändert haben, und du vielleicht auch.

Nach dem Gefecht ergänzt du die Seite: Hat dein Plan funktioniert? Was hat dich überrascht? Wenn er jetzt anders ficht als früher, passt du auch sein Profil an.

Wenn sich ein Problem wiederholt

Lies ab und zu auf mehreren Seiten nur, was unter „Was nicht funktioniert hat“ steht. Bleibst du gegen ganz verschiedene Gegner an deiner Warnlinie stehen, hast du eine Frage fürs Training. Nimm die konkreten Szenen mit zu deinem Trainer und überleg mit ihm, woran ihr arbeitet. Eine feste Schwäche ist das noch nicht, nur ein Problem, das bisher öfter vorkam.

Fechten in OpponentBook

Das Gegnerprofil fürs Fechten hat Felder für Hand, Griff, bevorzugte Distanz (nah, mittel, weit) und Beinarbeit. Dazu kommen Stil-Tags wie „Greift in die Vorbereitung hinein“, „Zweite Absicht“ oder „Sucht die Klingenbindung“.

Zu jedem Gefecht gibt es eine Zeichnung der Planche mit Mittellinie, Startlinien und Warnlinien. Darauf setzt du Pins, jeweils als „Funktioniert“, „Funktioniert nicht“, „Gefährlich“ oder „Tendenz“, und schreibst zu jedem eine Notiz; frei zeichnen kannst du dort nicht. Profile, Gefechte und Exporte als PDF oder Word gehören zum kostenlosen Buch. Heatmaps aus deinen Pins gibt es mit Premium, KI-Briefings vor einem Turnier mit Pro und Max.

Seiten über Leute, denen du wieder gegenüberstehen könntest, gehören nicht in fremde Hände. Synchronisierte Einträge liegen in dem Speicher, den du selbst verbindest; in der Kontodatenbank von OpponentBook gibt es keine Kopie deines Buchs. Wenn du eine KI-Funktion startest, werden die dafür nötigen Inhalte über einen Server von OpponentBook an den externen KI-Anbieter weitergegeben. Die optionale Ende-zu-Ende-Verschlüsselung schützt verschlüsselte Einträge zusätzlich vor dem Speicheranbieter; Fotos, Videos und die für ihn sichtbaren Dateimetadaten sind davon ausgenommen. Was das im Alltag bedeutet, erklärt der Beitrag über Speicherort, KI und Verschlüsselung.

Leg dein kostenloses Gegnerbuch an.

Denk heute Abend an den letzten Gegner, der dich besiegt hat. Beantworte für das Gefecht gegen ihn die drei Fragen: Was hat funktioniert, was nicht, und was willst du beim nächsten Mal tun? Dann ergänze, wie er seine Aktionen eingeleitet hat.

Zum Weiterlesen

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